Anzeigen
James Webb Weltraum-Teleskop
Nachdem die Pläne für Hubble nicht mehr rosig aussehen und das Teleskop wohl in einem Feuerball enden wird, ruht nun die Hoffnung auf dem offiziellen Nachfolger des Hubble Weltraum Teleskop – dem Infrarot-Teleskop James Webb.
Das Teleskop wurde nach dem NASA-Administrator James Webb, der Leiter der Mondlandung 1969, benannt und soll im August 2011 an Board einer Arian-V in eine sehr hohe Umlaufbahn um die Erde geschossen werden.
Das James Webb Teleskop wird einen
6.5 Meter großen Hauptspiegel tragen, welcher durch einen
„Sonnenschirm“ von der Größe eines Tennisplatzes
geschützt wird.
Da die Aufnahmen im Infrarotbereich erfolgen, muss das
James Webb Teleskop fern von jeder Wärmequelle
agieren. Deshalb wird es zur Erde einen Abstand von 1.5 Millionen
Kilometern halten, in einem sogenannten L2 Lagrange-Punkt.
Um der Wärme der Sonnenstrahlen zu entgehen, wurde der enorm
große Schutzschirm entwickelt, auf dessen Oberfläche
sich Sonnenkollektoren zur Stromerzeugung befinden. In dieser Entfernung
zur Erde, wird James Webb
Temperaturen von –230 Grad C ausgesetzt sein und eine interne
Kühlung wird es noch mal um 30 Grad auf –260 Grad abkühlen.
Das ist nur wenige grad über dem absoluten Nullpunkt und wird
es aufgrund der extrem geringen Eigenwärme zulassen, selbst
die schwächsten Infrarotsignale noch zu empfangen.
Die Haupt-Herausforderung wird der Spiegel
von James Webb sein, denn er geht gänzlich
neue Wege.
Da er zu groß wäre für den Transport mit einer Rakete,
wir der Spiegel aus 18 jeweils 1.3 Meter großen Segmenten
bestehen, die jeweils mit Hilfe von extrem empfindlichen Steuerungselementen
versehen sind, um den jeweiligen Teilspiegel exakt zu justieren.
Die Abweichung dabei darf nicht mehr als wenige hundertausendstel
Millimeter betragen!
Aber nicht nur die Konstruktion der Segmente stellt
eine Herausforderung dar, auch der Spiegel selber, denn statt wie
gewöhnlich hochfeste Glaskeramik zu verwenden, werden die Spiegel
aus Beryllium bestehen, dem leichtesten bekannten Metall.
Beryllium ist jedoch ein extrem seltenes Metall und so wird der
Bau der Spiegel fast die gesamte Jahresweltproduktion an Beryllium
aufbrauchen. Damit wird der Spiegel insgesamt nur 380 Kg wiegen,
nur halb so viel wie der von Hubble.

(James Webb Weltraumteleskop - Quelle: ESA)
Nachdem das James Webb Teleskop den Weltraum erreicht hat, wird der Schutzschirm und der Spiegel entfaltet, eine sehr brisante Angelegenheit, denn der geringste Fehler lässt die gesamte milliardenschwere Mission platzen wie eine Seifenblase, denn es ist unmöglich eine Reparaturcrew auszusenden, wie es bei Hubble der Fall war, denn James Webb wird sich außerhalb der Reichweite des Spaceshuttles befinden.
Der Bau des James Webb Teleskop wird derzeit mit 1.5 Milliarden Dollar veranschlagt, wovon die ESA 200 Millionen Dollar beisteuern wird, bei entsprechender Vergütung in Beobachtungszeit.
Die Aufgaben des James Webb Teleskop
werden vielschichtig sein.
Zum einen erhoffen sich die Forscher neue Erkenntnisse über
die Entstehung des Universum, indem sie Messungen an den
ersten Sternen, die nach dem Urknall entstanden sind vornehmen.
Diese Sterne strahlten sehr stark im UV-Spektrum, welches sich aber
aufgrund der Rotverschiebung bis in den Infrarotbereich
verschoben hat. Nur ein solche Teleskop kann diese Strahlung
von den extrem weit entfernten Himmelskörpern auffangen.
James Webb soll so 10-100 mal schwächere Objekte
aufspüren können als Hubble.
Zudem erhofft man sich, dass das Teleskop in der Lage ist,
die Wärmestrahlung von Exoplaneten zu beobachten um
so festzustellen, ob der Planet eine Atmosphäre besitzt
und woraus sie zusammengesetzt ist.
Man erhofft sich Antworten auf die Fragen:
- Wie ist das Universum beschaffen
- Wie haben sich die Galaxien entwickelt
- Wie haben sich Sterne und Planeten entwickelt
- Wie kam die derzeitige chemische Zusammensetzung des
Universums zustande
- Was steckt hinter der Dunklen Materie
Das James Webb Teleskop wird drei
Instrumente erhalten. Mit diesen können die Forscher Himmelskörper
direkt aufnehmen oder deren Infrarotlicht einer Spektralanalyse
unterziehen. Eines davon, der Spektrograph Nirspec, baut
der Weltraumkonzern EADS Astrium in Friedrichshafen und
Ottobrunn im Auftrag der ESA. Das Instrument kann Strahlungen
von den weitest entfernten Galaxien aufspüren und mehr als
hundert Objekte gleichzeitig beobachten.
Eine weitere Kamera für den mittleren Infrarotbereich wird
gemeinsam von amerikanischen und europäischen Forschungseinrichtungen
entwickelt und gebaut. Das Management des Baues übernimmt die
EADS.
Weiterführende Links zum James Webb Teleskop:
Offizielle James-Webb-Homepage
der NASA
Artikel zu diesem Thema:
» James Cameron im Marianengraben: "Ein Höllenritt"
» "Titanic"-Regisseur: James Cameron taucht zum tiefsten Punkt des Meeres
» Geboren aus kosmischen Schneeflocken
» Den Vorfahren der Tiere auf der Spur
» Mit Sonnenschirm auf Planetensuche
» Schnee am Olympus Mons
