erstmal hallo ^^
Ich möchte mich in euren bissle eingerosteten bilateralen Dialog einschalten und meine, ziemlich radikale Meinung äussern. Ich denke, es ist die entscheidende zu beantwortende Frage dieses Jahrhunderts. Ich möchte sie in 2 Teile gliedern:
1. Situation & Prognose:Herrschaftssystem des KapitalismusHeute wird die Welt durch eine Finanzoligarchie beherrscht und durch ökonomische Systeme diktiert. Praktisch niemand kann autonom existieren, sondern wird zur wirtschaftlichen Tätigkeit gezwungen. Das heisst er erfüllt die gesellschaftliche Funktion des Konsumenten und Produzenten.
Grenzen der WissenschaftDie (Natur-)Wissenschaft ermöglicht eine Vielzahl von neuen Möglichkeiten. Früher war nicht das möglich, was man sich wünschte. Heute muss man sich fragen, ob das wünschenswert ist, was möglich ist. Ich spreche nicht nur von Waffentechnologie, Gentechnik und Industrialisierung. Nein, denn das Wissen zwingt uns zur Beurteilung und Entscheidungen. Ich wünsche keinem Menschen, dass er sich in hohem Alter zwischen Leben und Tod entscheiden muss. Was, wenn man den Alterungsprozess (der unteranderem durch Fehler bei Zellteilungen zustande kommt!) überwindet? Wenn man entscheiden muss, wie lange man einen Menschen leben lässt... hoffentlich werden wir nie eine solche Suizidgesellschaft erleben.
Utopie des MomentesKommen wir zur eigentlichen Problematik. Es ist schade, dass uns das Erdöl nicht schon ausgegangen ist. Die ganze Wohlstandsentwicklung der Industriestaaten ist direkt abhängig von der Entdeckung und Anwendung der fossilen Brennstoffe. Expansionsfähig war diese Entwicklung nur durch Ausbeutung anderer Länder (Kolonien bzw. Entwicklungsländer). Ich sage es ist ein Glück, dass uns das Erdöl ausgeht, denn ich hoffe, diese aufkommende Knappheit wird den Klimawandel und den Trend der Machtkonzentration und des (lokalen und globalen) Wohlstandgefälles einschränken.
Diplomatischer StillstandDie Finanzoligarchie, die weitläufigen Einfluss auf die Politik hat, wird kaum grosse Revolutionen zulassen oder gar fördern. Die unterschiedlichsten Ansichten der globalen Machtvertretern (insbesondere Nord-Süd-Disparität), können zu keinen produktiven Vereinbarungen führen.
UmsturzAuf jeden Fall werden die Unruhen und der Widerstand immer zahlreicher werden. Der Süden wird den Norden terrorisieren, was den Norden dazu bringen wird sich abzuschotten.
Ob der "Crash" nun ökologisch, wirtschaftlich oder auf aufklärerisch-aufständische Weise kommt, es wird nicht ohne militante Seiten der Revolution ablaufen.
2. Was wäre zu tun?Suche nach AlternativenWenn man den ungezähmten Kapitalismus als Ursprung allen Übels definiert, stellt sich die Frage nach einer adäquaten Alternative. Was muss diese Alternative bieten? Es geht nicht darum die wirtschaftliche Tätigkeit lahmzulegen. Wie steht es aber mit dem zum Beispiel mit Wirtschaftswachstum?
Inhalte der AlternativeIch glaube auf der Suche nach einer Alternative zum Kapitalismus müssen einige neue Grundsätze beachtet werden:
- Pro Zeiteinheit dürfen nur so viele Rohstoffe verbraucht werden, wie regeneriert oder rezykliert werden können.
- Prozesse, welche Emissionen und Abfälle produzieren, müssen optimiert, reguliert oder unterbunden werden, sodass sie innerhalb eines ökologisch verträglichen Rahmens ablaufen können.
- Das Bild des homogenen Wirtschaftsraumes muss den ökologischen Raum integrieren. Wirtschaftliche Eingriffe in diesen Naturraum müssen effizient und filigran geschehen. Im Mittelpunkt steht die Funktion des wirtschaftlichen Gutes und nicht seine Rentabilität. Ökonomisch-motivierte grossflächige Zerstörung von wichtigen Lebensräumen für Mensch und Natur gilt es zu unterbinden.
- (Wirtschaftlich aktive) Werte müssen real vorhanden sein. Private, sowie staatliche Schulden und Kredite sind nur bei entsprechendem Leistungsausweis tolerierbar.
- Ein Sozialsystem muss zur Angleichung der lokalen, nationalen und globalen Wohlstandsverteilung eingesetzt werden.
- Einschränkungen der Freiheit des Bürgers müssen mit dem Gemeinwohl der Menschen und deren Umwelt begründet werden und sind unter diesem Aspekt möglichst spärlich zu halten, müssen jedoch konsequent durch alle Schichten wirksam sein.
- Die Richtung, in welche sich Grundlagenforschung entwickelt lässt sich nicht steuern, ebenso wenig wie Forschung verhindert werden kann, darum müssen daraus resultierende gefährliche Entwicklungen gesetzlich unterbunden werden.
- Polemische Propaganda muss verboten werden. Opportunistische, wahlerfolgsgerichtete, budget- und machtabhängige Politik muss einer professionellen, sachlichen Politik weichen, die den Bürger trotzdem mit einbindet. Wissenschaft (Naturwissenschaft, Ethik, Philosophie, usw.) muss in die Politik einfliessen. Politik soll kein Wettbewerb sein, sondern ein Instrument, welches sich für eine möglichst gute Zukunft engagiert.
Ich glaube eine fundierte Gesetzesgrundlage kann den Kapitalismus in bessere Bahnen lenken, ohne dass man sich alternativen Herrschaftsformen, wie dem Kommunismus behelfen muss, deren gerechte Umsetzung noch schwieriger wäre.
Was nimmt man in Kauf?Es erschreckt mich selber, für wie dringend ich solche Veränderungen halte. Denn damit sind natürlich enorme Zusammenbrüche der Wirtschaft, Umlagerungen in den primären Sektor, welcher vor allem lokal aktiv ist, enorme Arbeitslosigkeit, Hunger verbunden. Aber ist die Situation heute besser? Ja, für uns Europäer schon, aber für einen Grossteil der Menschen nicht. Und schliesslich ist die Frage entscheidend in welchen Zukunft wir leben wollen.
Überwindung der TrägheitEs gibt so viel zu verbessern, zu optimieren, umzugestalten, so viele Probleme, die zu Lösen sind. Es gibt nich die eine schöne Lösung. Aber ich bin überzeugt, dass es Menschen gibt, die bereit sind aus dem Sessel aufzustehen, nachzudenken und anzupacken. Ich glaube daran, dass wir intelligent genug sind, unsere Trägheit zu überwinden. Denn eines ist sicher: Es wird Veränderungen geben. Die Frage ist: Lässt man sie auf sich zu kommen oder kommt man ihnen zuvor?
mfg shelnak