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Das Universum aus dem Reagenzglas

Woher stammt unser Universum? Wohin geht es? Wie ist es entstanden?
Das sind nach wie vor die wichtigsten Fragen der Physiker und Kosmologen.

Auf der Suche nach Antworten werden immer monströser anmutende Techniken angewandt um den Geheimnissen der Natur auf die Spur zu kommen.

Um zu erkennen, wie die Welt im Innersten aufgebaut ist, wurden sogenannte Teilchenbeschleuniger ersonnen, ringförmige „Röhrensysteme“, in denen Elementarteilchen mit extrem hoher Geschwindigkeit aufeinander prallen und so einen Hagel an neuen Teilchen produzieren, welche dann von den Detektoren gemessen werden. So erhofft man sich (bislang recht erfolgreich) eine ungetrübten Blick ins Innerste der Materie.

Da der Mensch jedoch von Natur aus sehr neugierig ist, möchte er natürlich wissen, woraus (profan gesagt) die neu gefundenen Teilchen wiederum bestehen und so werden neue, noch leistungsfähigere Teilchenbeschleuniger gebaut um noch tiefer in die Materie hineinzublicken.

Mittlerweile sind diese Beschleuniger derart gewaltig, dass sie Energien produzieren, die selbst das Raumzeit-Gefüge ins Wanken bringen. Derzeitiger Spitzenreiter ist der Beschleuniger RHIC (Relativistic Heavy Ion Collider) [1]. Er beschleunigt unter anderem Goldatome auf fast Lichtgeschwindigkeit und lässt diese mit einer Energie von 200 GeV [2] aufeinanderprallen. 200 GeV (Giga-Elektronvolt) entspricht etwa der Energie der Gammastrahlung einer Supernova-Explosion. Bei derart gewaltigen Energien „zerreißt“ selbst das Raumzeit-Gefüge und die Wahrscheinlichkeit, dass dabei ein schwarzes Loch entsteht ist als durchaus gegeben zu erachten.

Am RHIC erwartet man sich davon einen tiefen Einblick in das Urknall-Szenario und Daten zum Verständnis dieses postulierten Ereignisses. Die Möglichkeiten dieses Beschleunigergiganten und die zu erwartenden Ergebnisse sind durchaus vielversprechend.

Und dann? Was kommt danach? Die Physiker wollen natürlich immer weiter vordringen bis jenseits der Grenzen des Machbaren. Es werden noch größere und noch leistungsfähigere Collider gebaut werden, mit Energien im Tera-Elektronvolt-Bereich. Mit Energien, so gewaltig, dass sie selbst den Urknall im Labor simulieren können.

Stellt sich die Frage nach dem Warum. Warum muss der Mensch oder jedes uns bekannte Lebewesen immer weiter ins Unbekannte vordringen um es zu erkunden und zu erforschen? Die Antwort darauf lautet augenscheinlich: Weil es unser genetisches Programm so vorgesehen hat!

Wenn es so vorgesehen ist, ist der Weg, den wir gehen klar vordefiniert. Wir werden nicht ehr Ruhe geben, bis wir es geschafft haben einen Urknall selber herbeizuführen um zu verstehen, wie unser Universum entstanden ist. Doch was dann? Erschaffen wir damit ein eigenständiges inflationäres Universum in unserem eigenen? Sehr wahrscheinlich, denn wir wollen ja möglichst genau „unseren“ Urknall nachvollziehen.

Kommen wir nun zu der Frage zurück, wie unser Universum entstanden ist. Durch einen „Urknall“. Doch woher kam dieser Urknall? Wenn wir in der Lage sind unseren eigenen Urknall zu erzeugen und damit ein komplett neues Universum in unserem eigenen, wie hoch ist dann die Wahrscheinlichkeit, dass unser Universum ebenfalls ein Produkt eines gewaltigen Beschleunigers ist?

Eine Frage, über die man, angesichts der technischen Entwicklung, durchaus nachdenken kann...

Anja Kolwicz für wissen-news.de

[1] http://www.bnl.gov/RHIC/
[2] http://de.wikipedia.org/wiki/GeV

Autor: Anja Kolwicz*

Artikel eingestellt: 2006-03-14

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